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Kontext
- Dieses Praxisbeispiel setzt einem häufigen Problem in der schulischen KI-Diskussion etwas entgegen: der Überforderung durch eine kaum überschaubare Zahl neuer Tools.
- Statt möglichst vollständige Marktübersichten anzubieten, steht hier die begründete Auswahl weniger, unterrichtstauglicher Anwendungen für Lernende und Lehrkräfte im M…
- Das Beispiel zeigt, wie Schulen mit klaren Auswahlkriterien, realistischen Lizenzmodellen und didaktischer Einbettung vom unverbindlichen Ausprobieren zu einer verläss…
Ziele
- Überforderung reduzieren: Aus der Fülle verfügbarer KI-Tools werden wenige ausgewählt, die zum Schulkontext, zu bestehenden Lizenzen und zu konkreten Unterrichtszielen passen.
- Schülerinnen und Schüler pädagogisch begleitet an KI heranführen: Tools mit Schüler-Zugang und Lehrkraft-Einsicht (z. B. Phobitz) ermöglichen transparente, begleitete Nutzung statt unkontrollierter Privatnutzung.
- Konkrete Anwendungsfälle verankern: Präsentationen erstellen (Gamma), Materialien aufbereiten (NotebookLM), Feedback generieren (Fobitz), Bilder gezielt anpassen (Gemini) – jedes Tool hat einen klaren Einsatzort im Unterricht.
- Kritische Medienkompetenz entwickeln: Am Beispiel von Bildanalyse-KI und Avatar-Tools werden Fragen nach Datenschutz, Manipulation und KI-Wahrnehmung zum Unterrichtsgegenstand.
- Einsatzorte systematisch klären: Das Schaubild nach Falk hilft, Aufgaben den vier Dimensionen zuzuordnen: ohne KI beherrschen – mit KI erweitern – KI als Lernbegleitung – KI grundlegend verstehen.
Ablauf & Tools
Auswahlprinzip
Der erste Schritt ist Reduktion: Nicht jedes neue Tool erproben, sondern gezielt fragen – passt es zu unseren Lernzielen, ist es kostenlos oder über eine Schullizenz zugänglich, können Schülerinnen und Schüler es eigenständig nutzen? Das Ziel ist eine kleine, stabile Tool-Auswahl, die im Unterricht zuverlässig funktioniert.
Tools im Überblick
Phobitz (mit Schullizenz) bietet Schüler-Zugänge, bei denen Lehrkräfte einsehen können, was eingegeben wird. Das ermöglicht pädagogische Begleitung – „Was hast du gepromptet, und warum?“ – statt Verbot. Das sichtbare Prompt-Log hat sich als wirksames Korrektiv bewährt.
Gamma erstellt Präsentationen aus Texteingaben oder Gliederungen. Schülerinnen und Schüler kennen das Tool oft bereits aus dem Privatgebrauch; Lehrkräfte können gezielt nachfragen: „Womit hast du das gemacht, und was hast du selbst beigetragen?“ Die andere Ästhetik gegenüber PowerPoint ist ein Gesprächsanlass für Designentscheidungen.
NotebookLM (Google) verarbeitet eigene Materialien – Texte, Fotos, Audios – und erstellt daraus Zusammenfassungen, vereinfachte Versionen oder Audiodialoge. Besonders nützlich für die Differenzierung: Komplexe Texte werden in zugänglichere Formate übersetzt, ohne den Inhalt zu verlieren.
Fobitz ist eine KI-gestützte Feedback-Anwendung, die Schülerinnen und Schülern strukturiertes Feedback zu eigenen Texten oder Produkten gibt. In Kombination mit einer Bettermarks-Lizenz kann sie ggf. bereits vorhanden sein.
Gemini (Google) eignet sich für gezielte Bildanpassungen: Eine Vorlage bleibt bestehen, eine einzelne Sache wird verändert – das ist konsistenter als bei anderen Bildgenerierungstools. Für präzises Prompten und Vergleichen gut geeignet.
Kritische Perspektive einüben
Das Tool „They Can’t See Your Photos“ (nur als Demo, nie mit echten Schülerfotos!) zeigt, welche Informationen KI aus einem Bild extrahieren kann: Standort, Stimmung, demographische Merkmale, Kaufkrafteinschätzung. Das erzeugt Betroffenheit und eröffnet produktive Diskussionen über Datenschutz, KI-Wahrnehmung und algorithmische Kategorisierung.
Tools wie hijan.com (Avatar-Erstellung in verschiedenen Sprachen) können ebenfalls als Einstieg in KI-Kritik genutzt werden – wer bin ich für eine KI, und wie werde ich dargestellt?
Landeslösungen
- Kai (Sachsen): Aktuell nur für Lehrkräfte zugänglich; datenschutzkonform, aber in der Bedienung weniger intuitiv.
- Telly (NRW): Auch mit Schüler-Zugängen; eigene Kriterien und Einschränkungen einstellbar; die Oberfläche ist funktional, aber weniger ansprechend als kommerzielle Alternativen.
Tipps & Stolpersteine
- Nicht hetzen: Tool um Tool zu testen stresst Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gleichermaßen. Zwei bis drei Tools intensiv kennenlernen ist wertvoller als zehn Tools oberflächlich.
- Datenschutz bei Schüler-Zugängen: Keine persönlichen Google-Accounts für Schülerinnen und Schüler in der Mittelstufe nutzen – Schullizenzen oder Landeslösungen wählen.
- Gamma im Unterricht: Wenn Schülerinnen und Schüler Gamma kennen, das Gespräch nicht vermeiden, sondern produktiv nutzen: Was hat die KI gemacht, was du selbst gemacht hättest?
Übertragbarkeit
- Andere Fächer: Gamma für Präsentationen, NotebookLM für Textdifferenzierung, Fobitz für Feedback, Gemini für Bildvisualisierungen – alle Tools sind fächerübergreifend einsetzbar.
- Ohne Schullizenz: Kostenlose Varianten sind zeitlich und umfänglich begrenzt; Landeslösungen prüfen. Lieber ein Tool wirklich nutzen als viele halbherzig ausprobieren.