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Kontext
- Dieses Praxisbeispiel behandelt den didaktisch reflektierten Einsatz von KI-Tools mit Lernenden – nicht nur zur Unterrichtsvorbereitung durch Lehrkräfte.
- Ausgangspunkt ist die Frage, wie leicht verfügbare Werkzeuge wie ChatGPT die bisherige Praxis von Leistungsnachweisen verändern und was das für Unterrichtsplanung und…
- Das Beispiel stellt ein Kompetenzmodell vor, das drei Dimensionen verbindet: Grundwissen ohne KI aufbauen, KI lernförderlich nutzen und Lernprozesse transparent dokume…
Ziele
- Kompetenzdimensionen bewusst unterscheiden: Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler klären gemeinsam, was ohne KI beherrscht werden muss, wo KI sinnvoll erweitert, und was ein grundlegendes Verständnis von KI-Funktionsweise bedeutet.
- Prozess sichtbar machen statt nur Ergebnis bewerten: Dokumentation von Prompts, mündliche Erklärungen und das Zeigen von Zwischenschritten werden als eigenständige Kompetenzform etabliert.
- Kreative KI-Nutzung erproben: Bildgenerierung für Vokabelvisualisierungen, Lernplakate und präzise Beschreibungsaufgaben machen KI zum Werkzeug für aktives, reflektiertes Lernen.
- KI-Fehler als Lernanlass nutzen: Falsche oder unpassende KI-Outputs werden zum Ausgangspunkt für Analyse, Diskussion und präziseres Formulieren.
- Grundverständnis aufbauen: Schülerinnen und Schüler verstehen, dass KI keine Suchmaschine ist und keine Fakten „kennt“, sondern Wahrscheinlichkeiten berechnet – und können das an eigenen Beispielen zeigen.
Ablauf & Tools
Einstieg: Was kann KI – und was nicht?
Der Einstieg erfolgt über eine gemeinsame Erkundung mit der Klasse: „Wie viele E’s hat das Wort Erdbeere?“ – KI-Systeme zählen Buchstaben oft falsch, weil sie nicht zeichenweise denken, sondern Wahrscheinlichkeiten über Wortfolgen berechnen. Diese Erfahrung schafft ein erstes, belastbares Grundverständnis und öffnet die Diskussion darüber, wofür KI taugt und wofür nicht.
Transparent gemacht wird von Beginn an: Manches erarbeiten wir ohne KI – damit wir wissen, was wir selbst können. Manches holen wir uns mit KI dazu. Diese Unterscheidung zieht sich durch alle Aufgabenformate.
KI kreativ und fachlich einsetzen
Bildgenerierung (z. B. mit Google Gemini oder ChatGPT) eignet sich für:
- Vokabelvisualisierungen – z. B. Mengenangaben im Französischunterricht als Bild darstellen lassen
- Lernplakate im Social-Media-Stil – Schülerinnen und Schüler gestalten Inhalte für ein gedachtes Instagram-Profil
- Versuchsaufbau beschreiben – Die Aufgabe lautet: Beschreibe den Versuch so genau, dass die KI ein passendes Bild erzeugt. Dann wird das KI-Bild mit dem realen Aufbau verglichen: Was stimmt? Was fehlt? Diese Dialektik schult präzises Beobachten und Formulieren und ist auf viele Fächer übertragbar.
Prompts dokumentieren lassen: Schülerinnen und Schüler halten fest, was sie eingegeben haben, welche Ergebnisse sie erhalten haben und was sie verändert haben. Diese Dokumentation wird Teil der Bewertung.
Kompetenzmodell und Assessment
Das Kompetenzraster (nach Falk u. a.) unterscheidet Niveaustufen in den Bereichen Verstehen, Reflektieren und Mitgestalten. Es dient als Orientierungsrahmen – nicht als Checkliste.
Da ergebnisorientierte Prüfungsformate durch KI leicht umgehbar sind, rückt die Prozessdokumentation in den Vordergrund: Was hast du gepromptet? Wie bist du vorgegangen? Kannst du das Ergebnis erklären? Auch unter dem Druck von Zentralprüfungen lassen sich Prozessanteile und Reflexionselemente einbauen, wo es möglich ist.
Tools im Überblick
- ChatGPT / Google Gemini – Bildgenerierung, Textarbeit (Kostengrenzen bei öffentlichen Versionen beachten)
- Phobitz (Schullizenz) – Schülerinnen und Schüler erhalten Zugang; Lehrkraft kann einsehen, was gepromptet wurde – pädagogische Begleitung statt Verbot
- Kai (Sachsen) – Landeslösung, aktuell nur für Lehrkräfte
- Telly (NRW) – auch mit Schüler-Zugängen, eigene Kriterien einstellbar
Tipps & Stolpersteine
- Kostengrenzen: Öffentliche Tools (Bildgenerierung, Abfragen) sind schnell ausgeschöpft. Schullizenzen und Landeslösungen vorab prüfen.
- KI ist keine Suchmaschine: Dieser Unterschied muss mit Schülerinnen und Schülern aktiv erarbeitet werden – am besten durch eigene Erfahrungen mit Fehlerausgaben.
- Assessment unter Prüfungsdruck: Wo Zentralprüfungen wenig Spielraum lassen, trotzdem Prozessanteile einbauen: Prompt-Dokumentation, kurze mündliche Erklärungen, Reflexion als Unterrichtsroutine.
Übertragbarkeit
- Andere Fächer: Präzises Beschreiben (Versuchsaufbau, Kunstwerk, geographische Situation), Vokabelvisualisierung, Lernplakate – das Prinzip „prompten, vergleichen, reflektieren“ ist fächerübergreifend einsetzbar.
- Ohne 1:1-Ausstattung: KI-Stationen für Gruppen einrichten; ein Gerät pro Gruppe reicht für Bildgenerierung und gemeinsame Reflexion.
- Landeslösungen einbeziehen: Kai (Sachsen) und Telly (NRW) als schulrechtlich gesicherte Alternativen zu öffentlichen Tools prüfen; Phobitz für begleitete Schülerzugänge.